Was ich gerade lese...

 

files/AstridFritz/Bilder Extras/lektuere atwood.jpgInzwischen habe ich den Roman „Der Report der Magd“ der Kanadierin Margaret Atwood fertiggelesen und bin etwas gespalten in meinem Urteil. Einerseits ist die Idee großartig: Die Ich-Erzählerin lebt in einer Art totalitärem, christlichem US-Gottesstaat der Zukunft, der vor allem eines ist: absolut frauenfeindlich und -verachtend. Die Frauen werden in drei Kategorien eingeteilt, in Dienerinnen, Ehefrauen und Mägde, die als Gebärerinnen und Leihmütter fungieren. Zu Letzteren gehört die Hauptfigur namens Desfred (was nichts anderes bedeutet als „die des Herrn Fred“). Sie soll ihrem sog. Kommandanten und dessen Frau ein Kind gebären, da nach einem atomaren Unfall die meisten Frauen unfruchtbar geworden sind. Wie Desfred nun in dem ihr zugewiesenen Haushalt als eine zwar leiblich gut versorgte, aber seelisch verstümmelte Gefangene lebt und wie grauenhaft kalt an ihren fruchtbaren Tagen der Geschlechtsverkehr mit dem Kommandanten vollzogen wird (in den Armen von dessen Ehefrau!), ist mehr als beklemmend zu lesen.

Nur leider wird vor allem in der zweiten Hälfte der Erzählstil immer verschwurbelter, sperriger und zugleich weitschweifiger. Desfreds Gefühle und Ängste konnte ich der Autorin immer weniger abnehmen bzw. wurde meine Distanz zur Hauptfigur immer größer. Sehr schade, denn Atwoods Roman „alias Grace“, den ich vor Jahren einmal gelesen hatte, hatte mir sehr gut gefallen.


Margaret Atwood: "Der Report der Magd". 412 Seiten


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