Was ich gerade lese...


files/AstridFritz/Bilder Extras/Lektuere Zeh.jpgMitten drin bin ich gerade in einem wunderbaren Roman: "Unterleuten" von Juli Zeh. Der Titel weist auf den Namen eines Dorfes irgendwo in Brandenburg hin und ist natürlich mehrdeutig gemeint: Als Leser findet man sich wieder unter völlig verschiedenen Persönlichkeiten: schrullige Originale, Wende-Verlierer und Wende-Gewinner, Naturschützer und Profitgeier, DDR-Ostalgiker, Alteingesessene und Zugezogene aus dem nahen Berlin. Jedes Kapitel spielt aus der Perspektive eines/einer dieser Dorfbewohner/innen, und das Fasziniernde ist: Als Leser fühlt man mit, wenn ein schrecklicher Nachbar nur nervt, aber flugs ist jener Nachbar mit seinem Kapitel an der Reihe, und man versteht plötzlich dessen Beweggründe. So geht der Reigen von einem zum andern und wieder zurück, es baut sich eine Welt im Kleinen auf, ein unglaublich anschaulicher Mikrokosmos auf dem Lande. Und das alles vor dem Hintergrund eines Windpark-Projektes.

Ich wünschte, ich könnte jedesmal länger am Stück lesen, denn der einizige klitzekleine Nachteil dieses tollen Buchs ist: Ich muss immer wieder mal zurückblättern, um mir die Figuren wieder in Erinnerung zu rufen. Weil ich halt doch am Abend immer nur kurz dabei bin, bevor ich müde werde...


Juli Zeh: „Unterleuten“

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